Kulturlandschaft Kellergassen Weinviertel

26.-28. Oktober 2018, Poysdorf, Reichensteinhof

In der Kulturlandschaft des Weinviertels verbinden sich in harmonischer Weise die einst dem Weinbau dienenden historischen Nutzarchitekturen mit der durch die intensive menschliche Bewirtschaftung überformten Natur und den überlieferten Techniken ihrer landwirtschaftlichen Bearbeitung. Die Kellergassen jeder noch so kleinen Ortschaft sind der sichtbare Ausdruck der über Generationen gewachsenen Verbundenheit der Menschen mit der Landschaft, in der sie leben. Dort wurden seit Jahrhunderten in den Kellerstöckeln die Weintrauben, die man in den nahen Weingärten pflegte und schließlich erntete, gepresst und in einem über lange Zeiträume tradierten und immer wieder verfeinerten Prozess zu Wein verarbeitet. Dieser wurde anschließend in in den anstehenden Löss gegrabenen Kellerröhren in Eichenfässern gereift und kühl gelagert. Doch die Kellergassen waren nicht nur Orte der Arbeit. Ganz nebenbei erfüllten sie den Wunsch nach nachbarlicher Kommunikation, ermöglichten Gemeinschaft, waren Orte gemeinsamen Tuns und Feierns.

Mit den alle Lebensbereiche von Grund auf erfassenden gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte schwand das Interesse an den Kellergassen als den Orten der Verarbeitung und Lagerung der weinbaulichen Erzeugnisse. Presshäuser und Weinkeller verloren ihren ursprünglichen Nutzen und ihre Bedeutung im Leben der Menschen. Allerorten zeigten sich schon bald die Spuren natürlichen Verfalls und aktiver Zerstörung. Zugleich entstand ein neues Bewusstsein für den kulturellen und gesellschaftlichen Wert der Kellergassen und die Notwendigkeit ihrer Erhaltung und Pflege.

Wie man ihrer identitätsstiftenden Bedeutung für die Menschen im Weinviertel gerecht werden kann, ist Thema eines Regionalprojekts des Bundesdenkmalamtes und seiner Kooperationspartner in der Region Poysdorf. Das Symposium Kulturlandschaft Kellergassen Weinviertel soll in das Thema einführen und einen Anstoß zur Ausarbeitung von Strategien für eine vertiefte gesellschaftliche In-Wert-Setzung und die schonende Erhaltung dieser landschaftsprägenden Kulturdenkmale geben. Denn: Lebendige Kellergassen in einer intakten, bewirtschafteten Natur- und Kulturlandschaft sind wesentlicher Bestandteil des regionalen kulturellen Lebens und Erlebens. Sie sind das kulturelle, baulich-manifeste Pendant zum Weinbau und Teil der Identität einer Region. Als prägende Elemente der Kulturlandschaft mit Potentialen für die lokale Wirtschaft und einen sanften Tourismus in einer Ruhe und Genuss bereitenden Region können Kellergassen einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes leisten. Die Vermittlung der Eigenarten und Werte des baulichen Bestandes, seiner gesellschaftlichen Bedeutung sowie der Möglichkeiten des Erhalts und der Pflege sind die Basis zur Ausschöpfung gesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Potentiale.

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