27. Februar 2020

"Auch unser Pferd spricht tschechisch": Ein Sprachenprojekt im Kindergarten lässt die Kinder die Nachbarsprache spielerisch lernen. Diese grenzüberschreitende Bildungskooperation (BIG) – unterstützt durch europäische Fördermitteln (EFRE) – fördert sprachliche und interkulturelle Kompetenzen unserer Kinder.

Sprachliche, interkulturelle und soziale Kompetenzen, insbesondere Kenntnisse in den Nachbarsprachen sind für den gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum Niederösterreich mit seinen Nachbarländern von zukunftsweisender Bedeutung.

Insgesamt drei grenzüberschreitende EU-Projekte unter dem Titel "Bildungskooperationen in der Grenzregion (BIG)" laufen derzeit - eines mit Tschechien, eines mit der Slowakei, eines mit Ungarn als Partner. Ziel jeweils ein erstes Heranführen an Sprache und Kultur des Nachbarlandes vom Kindergartenalter an. Teilnehmende Kinder und Jugendliche erhalten die Möglichkeit, die Potenziale der Region über Landesgrenze hinweg zu erkennen und zu nutzen, Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Insgesamt werden die vielfältigen kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Angebote erfolgreich vernetzt und ausgebaut durch die Vermittlung von Nachbar- und Mehrsprachigkeit in alltäglichen Lebens- und Lernsituationen in Kindergarten und Schule.

Das Bildungsprojekt in Grenzregionen AT-CZ (BIG AT-CZ), an dem Familie Andre, die nachfolgend interviewt wurde, teilnahm, endete mit 31. Oktober 2019. Seit 2003 haben bereits 73.000 Kinder aus Niederösterreich davon profitiert. Das Nachfolgeprojekt EduSTEM (Education in Science, Technology, Engineering and Mathematics) startete mit 1. November 2019. Weiter Informationen: https://at-cz.big-projects.eu/index.php/de/

 

Ein Interview mit Familie Andre zur Bildungsoffensive AT-CZ  im Kindergarten Langau
Von Barbara Ziegler (NÖ.Regional.GmbH)

Kurzportrait: Magdalena (11) ist das älteste von drei Geschwistern und besucht aktuell die 1. Klasse der NMS Drosendorf mit einem Sprachenschwerpunkt. Mama Daniela ist stolze Mutter von drei Kindern und unterrichtet an der NMS Drosendorf Mathematik und Geographie. Gemeinsam mit ihrem Mann wohnt die 5köpfige Familie in der Marktgemeinde Langau im Bezirk Horn.

Hat dir der Sprachunterricht im Kindergarten Spaß gemacht, Magdalena?

Ja, sehr. Es war sehr abwechslungsreich eine andere Sprache kennenzulernen. Ich habe mich auf Gabi, unsere tschechische Native Speakerin, immer gefreut. Sie hat uns 1 Mal pro Woche im Kindergarten besucht.

Was hat dir am besten gefallen und ist dir noch in Erinnerung? Gibt es bestimmte Reime, Lieder oder Spiele, an die du dich noch erinnerst?

Ganz klar: der Ausflug in den Zoo mit unserem Partnerkindergarten in Tschechien. Am Vormittag haben wir die Kinder im Kindergarten besucht und mit ihnen gespielt und dann gemeinsam mit Gabi den Besuch unternommen. Meine Mama war mit dabei als Begleitperson.

Daniela: Die unglaubliche Gastfreundschaft der Pädagoginnen ist mir heute noch in Erinnerung. Das war ein sehr herzliches und warmes Empfangen werden.

Wurde mit Magdalena zuhause auch Tschechisch geredet oder vorgelesen?

Ehrlich gesagt: wenig. Vielleicht 1-2 Lieder. Wenn dann hat Magdalena gesungen. Schön war zu beobachten, dass anfangs einzelne Wörter eingebaut wurden und der Wortschatz nach und nach größer wurde. Ich erinnere mich an Lieblingswörter wie Krampus oder Maulwurf. Die Geschichte vom Maulwurf begleitete die Kinder in Bilderbüchern und sogar beim Theaterspielen.

Haben Sie Lernfortschritte bei Magdalena in der tschechischen Sprache festgestellt? Vielleicht anfangs nur ein Wort und dann möglicherweise ein ganzes Lied, das gesungen wurde?

Ja, natürlich. Magdalena ging 4 Jahre in den Kindergarten und hat entsprechend immer mehr mit nachhause gebracht.

Wovon erzählte Magdalena nach dem Sprachunterricht zuhause?

Jede Stunde wurde unter ein neues Thema gestellt, sei es Obst, Gemüse, Farben etc. Begleitend dazu gab es Arbeitsblätter und die wurden zuhause fertiggemacht: 7 bis 8 Wörter und die dazu passenden Bilder. Damit hatte ich als Mutter auch einen guten Überblick, was im Kindergarten während der Sprachoffensive gemacht wurde.

Warum ist für Sie als Mutter eine sprachliche Förderung gerade im Kindergarten so wichtig?

Im Kindergartenalter ist das Erlernen einer Sprache nach gewiesen einfacher und es gibt eine großartige Unterstützung durch einen Native Speaker.

Magdalena, wie ging es dir beim Erlernen von Englisch in der Volkschule? Hast du dir leicht oder schwerer getan?

Es ist mir leichtgefallen. Wir hatten ja auch schon Englisch im Kindergarten.

Hat die frühkindliche sprachliche Frühförderung von Magdalena, die Wahl der Mittelschule beeinflusst?

Eigentlich nicht. Ausschlaggebend war der Freundeskreis meiner Tochter, der nach der Volksschule die Neue Mittelschule in Drosendorf gewählt hat. Persönlich bin ich von der Qualität der Schule überzeugt. Sie ist klein und sehr familiär und ich unterrichte dort sehr gerne.

Würden Sie die grenzüberschreitende Förderung der Nachbarsprache anderen Eltern empfehlen und wenn ja, warum?

Auf alle Fälle. Wir wohnen hier in der Marktgemeinde Langau grenznah. Die Kontakte werden immer mehr. Unsere Nachbarin aus Tschechien ist uns eine liebe Freundin geworden. Der Austausch in der Region und in der Gemeinde ist grenzüberschreitend sehr wichtig und wertvoll. Auch in der Berufswelt und zukünftig, lösen sich Grenzen zu unseren Nachbaren auf und ein gegenseitiges Verstehen und Verständnis wird wichtig. Sogar unser Pferd kommt aus Tschechien und wir bemühen uns sogar hier, mit ihm auf Tschechisch für ein besseres Verständnis zu kommunizieren.

Vielen Dank für das Gespräch, Familie Andre!

 

Weitere Informationen zu den BIG-Projekten erhalten Sie bei:

Eva Huber, MA
Projektkoordinatorin EduSTEM
Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Schulen und Kindergärten
A-3109 St-Pölten, Landhausplatz 1
T: +43 650 8039626
E: eva.huber2@noel.gv.at