22. Oktober 2019

Bewaffnete Soldaten am Grenzübergang die Autos stoppen und Leute verhaften? Am 21. September wurde man am Übergang Grametten in die Zeit vor 1989 zurückversetzt anlässlich einer Feier zum 30. Jubiläum des Falls des Eisernen Vorhangs. Auch in Gmünd feierte man die Freiheit, die wir heute genießen: tschechische und österreichische BürgerInnen kommen zusammen und feiern - ohne einen Stacheldraht überwinden zu müssen und ohne Angst erschossen zu werden. Beide Feiern wurden durch den Kleinprojektefonds AT-CZ, welchen die NÖ.Regional.GmbH verwaltet, unterstützt.

1989 hat die Welt sowohl für unsere Nachbarn als auch für uns verändert. Die Feier am Grenzübergang Grametten-Nová Bystrice gab einen beeindruckenden Einblick in die Situation vor 1989. Soldaten in Uniformen, bewaffnet mit (ungeladenen) Maschinengewehre patrouillierten an der Grenze, stoppten Autos und Passanten, überprüften Papiere und nahmen den einen oder anderen fest. Die meisten ZuschauerInnen reagierten betroffen. Viele fühlten sich in die Jahre vor 1989 zurückversetzt. In vielen Gesichtern konnte man aber auch die Freude über die heutigen Gegebenheiten sehen.

Aber vor 1989 hätte man das Grenzgebäude nicht so einfach betreten dürfen, es hätten sich niemals mehrere hundert Menschen direkt am Grenzübergang einfinden können, um gemeinsam zu feiern. Eine Ausstellung im tschechischen Grenzgebäude informierte ausführlich über die Zeit des Eisernen Vorhangs. Umso heiterer wurde gefeiert. Die Sonne schien, es wurden tschechische und österreichische Köstlichkeiten angeboten, die in Euro und in Kronen bezahlt werden konnten. Die Anbieter hatten sich sogar auf einheitliche Preise geeinigt. Ein Aspekt, der die heutigen guten Beziehungen am besten darstellt. Ganztags traten tschechische und österreichische KünstlerInnen, SchülerInnen und Sportgruppen auf. Am Abend fand der Festakt mit LR Martin Eichtinger und vielen Ehrengästen statt. Betont wurde vor allem die Freude über die Grenzöffnung vor 30 Jahren und den guten Beziehungen zwischen Südböhmen und Niederösterreich. Eine Lasershow bildeten den spektakulären Abschluss der Feiern.

Ein AbsolventInnentreffen im Zeichen des Falls des Eisernen Vorhangs?

Seit 1990 dürfen auch tschechische SchülerInnen das Schulzentrum Gmünd besuchen. Rund 20 tschechische SchülerInnen nutzen diese Gelegenheit alljährlich und starten in einer Schule in Gmünd. Das AbsolventInnentreffen findet regelmäßig einmal im Jahr statt. Heuer, im Jahr 2019 traf man sich nicht nur, sondern feierte die Bildungsfreiheit, die es hier seit mittlerweile 30 Jahren gibt. Österreichischen und tschechische Jugendliche können eine gemeinsame Ausbildung absolvieren und dabei wertvolle Erfahrungen in der Begegnung mit unserem Nachbarn sammeln - vom Vorteil die tschechische Sprache zumindest in Ansätzen zu lernen, einmal ganz abgesehen. Über dieses Erfolgsmodell wurde auch ein kurzes Video erstellt, das bei den BesucherInnen einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Das Projekt „30 Jahr Feier Fall des Eisernen Vorhangs“ der Gemeinden Reingers und Nová Bystřice und das Projekt „Absolvententreffen der berufsbildenden Schulen Gmünd – Gelebte Nachbarschaft“ der Gemeinden Gmünd und Česke Velenice und des Absolventenverbands Gmünd werden im Rahmen des Projektes FMP/KPF AT-CZ 2014-2020 durch den Europäischen Fonds für Regionalentwicklung, Programm „INTERREG V-A Österreich-Tschechische Republik“ gefördert und durch Eigenmittel der NÖ.Regional.GmbH kofinanziert.

Die NÖ.Regional.GmbH verwaltet im Auftrag der NÖ Landesregierung den NÖ Kleinprojektefonds, der people-to-people Aktivitäten zwischen Niederösterreich, Oberösterreich, Südböhmen, Vysocina und Südmähren fördert. Wir unterstützen durch Beratung bei Einreichung, Antragstellung und Abrechnung. Der Kleinprojektefonds ist ein Projekt im Rahmen des Programms Interreg V-A AT-CZ und wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.