09. Dezember 2019

Genau 30 Jahre nach dem Fall der nahezu unüberwindbaren Grenze zwischen Gmünd und České Velenice wurde am 6.12.2019 im Palmenhaus das Jubiläum gemeinsam gefeiert. Die Stadtgemeinden luden zum Fest. Rund 200 Gäste aus Niederösterreich, Oberösterreich und Südböhmen kamen, um einen historischen Rückblick zu halten, engagierte Menschen zu ehren und gelungene Projekte der Gegenwart zu würdigen. Die NÖ.Regional.GmbH unterstützte die Organisation der Feierlichkeiten im Rahmen des Regionalverbands Waldviertel und der Euregio Silva Nortica.

„Vor 31 Jahren hätten wir nicht nebeneinander auf einer Bühne stehen können!“ meinte Bürgermeisterin Rosenmayer, die gemeinsam mit ihrem tschechischen Kollegen, Jaromir Slíva, die Festgäste begrüßte und einen kurzen Rückblick auf die letzten 30 Jahre der erfolgreichen Zusammenarbeit gab. Die zwei Städte sind trotz der sprachlichen Barriere wieder miteinander verwoben beim Arbeiten zum Wohl der Bürger aber auch beim Feiern.

Landesrat Eichtinger erinnerte sich in seiner Festrede an seine Jugend als er den Ostblock als Basketballspieler kennen lernte. Für sportliche Zwecke konnte der Stacheldraht überwunden werden, für Normalreisende stellte er eine beträchtliche Hürde dar und für alle jene, die ihr Heimatland verlassen wollten, konnte er sogar tödlich sein. 126 Menschen sind an der Grenze zwischen NÖ und CZ auf der Flucht gestorben. 2019 ist das Geschichte: Niederösterreich und Südböhmen erlebten durch den Fall des Eisernen Vorhangs und durch den Beitritt zur Europäischen Union einen enormen Aufschwung. Die Grenzregion ist vom Rand in den Mittelpunkt Europas gerückt mit dementsprechenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteilen.

Landesrat Eichtinger zeigte sich dankbar, dass er am historischen Spatenstich für das erste grenzüberschreitende Gesundheitszentrum der EU im Frühjahr 2019 in Gmünd teilnehmen durfte. Der Grundstein für dieses Projekt wurde durch die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Gmünd und České Velenice im Bereich Gesundheit ermöglicht. Durch das EU-geförderte Projekt „Healthacross“, welches von Manfred Mayer vorgestellt wurde, können Tschechen im Landesklinikum Gmünd ambulant behandelt werden. Durch das gemeinsame Gesundheitszentrum wird nun ein weiteres Angebot für die Bewohner der Grenzregion geschaffen. Der Rettungsdienst agiert seit einem Bus-Unfall in Schrems mit mehreren Toten und Verletzten seit 2006 immer wieder grenzüberschreitend. Die Unterzeichnung eines Staatsvertrages im Jahr 2016 bildet nun den rechtlichen Rahmen.

Der ehemalige Journalist Paul Twaroch und Miroslav Kotrč, der erste Bürgermeister der Stadt České Velenice nach der Grenzöffnung, gaben interessante Einblicke in das Leben damals. Über die Einengung durch den Eisernen Vorhang und die kategorische Abriegelung zum Westen und zum Süden. Beide sind sich einig über die positiven Auswirkungen seit 1989, die wieder gewonnene Freiheit, die wirtschaftliche Entwicklung und das gemeinsame gesellschaftliche Leben.

Ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten der offenen Grenze ist das Bildungswesen. Tschechische Schüler können seit 1991 in Gmünd ihre Ausbildung absolvieren. Dir. Cordula Krammer berichtete über das Projekt, das begonnen wurde, weil Gmünd einen Schülermangel an der Handelsakademie hatte. Heute sind ein Drittel der Schüler im Schulzentrum Gmünd tschechische Staatsbürger.

Über die Zusammenarbeit auf Gemeindeebene berichtete Harald Winkler. Er gehört der Generation an, die den Eisernen Vorhang nicht mehr erlebt hat, aber trotzdem die Bedeutung der samtenen Revolution täglich erleben kann. Es gibt laufend Kontakte mit České Velenice miteinander, sei es im Wasserwesen, in der Kultur, im Gesundheits- oder Schulwesen.

60 Menschen, die in diesen 30 Jahren besondere Beziehungen zum Nachbarn pflegten, wurden ausgezeichnet. Ohne diese persönlichen Kontakte, sei es in einem Verein, beruflich oder bei Kulturveranstaltungen, wären die Grenzen noch nicht Geschichte.

Zum Abschluss der Feier wurde in einem symbolischen Akt ein nachgestellter Stacheldraht gemeinsam mit großer Freude durchtrennt.

Die NÖ.Regional.GmbH setzt auch Akzente in der grenzüberschreitenden Regionalentwicklung - durch Förderberatung ebenso wie als aktiver Projektpartner. In diesem Sinne werden die dafür zur Verfügung stehenden EU-Fördermittel aus den Interreg V-A Programmen bis 2022 mit Tschechien, der Slowakei und Ungarn genutzt.