27. August 2020

Über 100 BesucherInnen begaben sich am 23. August 2020 auf die Spuren von Franz Kafka und Milena Jesenská in Gmünd/České Velenice und besuchten Stationen einer außergewöhnlichen Begegnung an einem außergewöhnlichen Ort. Den Veranstaltern ist es gelungen, das historische Treffen 100 Jahre danach wieder in den Blickpunkt zu rücken. Eine Lesung der Texte von Franz Kafka und Milena Jesenská, die sich auf Gmünd und die Liebesbeziehung, die fast ausschließlich in ihren Briefen Ausdruck gefunden hat, schloss die Veranstaltung ab und machte Lust auf mehr. Fortsetzung ist garantiert. Der Spaziergang ist ein Teil des Projekts „Gmünd – České Velenice: der Mikrokosmos Europas“ und wird vom Kleinprojektefonds AT-CZ und der NÖ.Regional unterstützt.

Harald Winkler gab beim Haus der Gmünder Zeitgeschichte einen Einblick in die spannende, wechselhafte Stadtgeschichte und betonte die „Begegnungsfunktion“, die dieser Stadt auch gegenwärtig zukommt.

Bei der Station Bleyleben erzählte Thomas Samhaber über die beiden Personen und das Treffen vor 100 Jahren. Während Kafka weltbekannt ist, wissen von der herausragenden Journalistin und Widerstandskämpferin Milena Jesenská noch immer nur wenige.

Bürgermeister Jaromír Sliva begrüßte in der Kastanienallee von České Velenice gemeinsam mit Gmünds Bürgermeisterin Helga Rosenmayer und der Abgeordnete zum NÖ Landtag Margit Göll die große Teilnehmerschar.  Man war sich einig, dass diesen beiden Nachbarstädten in der Zusammenarbeit eine besondere Rolle zukommt, was Bürgermeister Jaromír Sliva (České Velenice) auf den Punkt bringt. „Wir sprechen schon lange nicht mehr von ‚grenzüberschreitend‘ - es heißt bei uns einfach ‚gemeinsam‘. Das ist gelebter Alltag.“

Der Historiker Jíří Österreicher sprach auf der Wiese, neben der das Hotel Huber gestanden hat und in dem Franz Kafka und Milena Jesenská im August 1920 genächtigt hatten. Anschließend führte er durch den heutigen Bahnhof, der in einigen Teilen wie dem Bahnhofsrestaurant, noch den prächtigen Jugendstilbau erkennen lässt.

Einprägsamer Abschluss des Kulturspazierganges war die Lesung von Texten von Franz Kafka und Milena Jesenská auf der Bühne des Kulturzentrums „fenix“ (České Velenice) in Originalsprache, - das Publikum konnte die Übersetzungen ins Tschechische bzw. Deutsche mitlesen.

Der erfahrenen Kafka Rezitatorin und Mitglied der österreichischen Franz Kafka Gesellschaft Charlotte Aigner sowie dem Schauspieler Šimon Pužej, der Milena Jesenskás Texte las, gelang es das Publikum zu fesseln und die Worte - 100 Jahre nach ihrer Niederschrift - hautnah erlebbar zu machen.

 

Mit südböhmischem Bier und Klobasa konnte man anschließend aus dem Reich der Poesie wieder auftauchen und gemeinsam mit Musik der „Třebonska 12“ am „Michlplac“ den Nachmittag heiter ausklingen lassen.

Die Veranstaltung wurde von den Städten Gmünd und České Velenice im Rahmen des EU Kleinprojekts „Mikrokosmos“ in Kooperation mit der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft und dem Kulturverein ÜBERGÄNGE PŘECHODY umgesetzt.

Im Verlag der Provinz erscheint dieser Tage das Lesebuch mit historischem Panorama „Begegnung an der Grenze – Milena Jesenská und Franz Kafka in Gmünd“


Foto:  Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (Gmünd) und Bürgermeister Jaromír Slíva (České Velenice) bei ihren Ansprachen in der Kastanienallee

Copyright: ILD

Die NÖ.Regional verwaltet im Auftrag der NÖ Landesregierung den NÖ Kleinprojektefonds, der people-to-people Aktivitäten zwischen Niederösterreich, Oberösterreich, Südböhmen, Vysocina und Südmähren fördert. Wir unterstützen durch Beratung bei Einreichung, Antragstellung und Abrechnung. Der Kleinprojektefonds ist ein Projekt im Rahmen des Programms Interreg V-A AT-CZ und wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.