Digitale Einkaufsstadt – Vernetzungstreffen
Haben Sie schon mal online eingekauft? Und wieviel davon kam aus dem lokalen Umkreis? Geändertes Käuferverhalten, ein massiver Strukturwandel im Handel und was Gemeinden zur Stärkung der Frequenz im Zentrum unternehmen können, standen im Fokus eines Vernetzungstreffens am 23.3. im Atrium in Tulln.


Geschäftsführer & Projektleiterin der NÖ.Regional.GmbH, Tullns Bürgermeister & Vizebürgermeister und die Fachexperten beim Erfahrungsaustausch „Digitale Einkaufstadt“ am 23.3. im Atrium Tulln
© Daniel Brüll


Über 90 VertreterInnen aus 20 Stadt- und Marktgemeinden folgten der Einladung der NÖ.Regional.GmbH zum Erfahrungsaustausch, um sie kurzweilig dargebotenen Inputs der drei geladenen Experten und die Praxisbeispiele aus den Gemeinden zu hören. Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung der Raumordnungsabteilung des Landes und der Sparte Einzelhandel der WKNÖ organisiert.

Zum Auftakt stellte Tullns Bgm. Eisenschenk klar voran, dass sich heutzutage bei der Digitalisierung, jene die Bescheid wissen, riesige Vorteile verschafft haben, die mitunter sogar auch die Demokratien beeinflussen. Dem Risiko, dass der Handel in den Innenstädten wegbricht, müssen Gemeinden umso stärker mit attraktivierenden Maßnahmen in der Innenstadt begegnen.

Martin Unger, (Contrast EY) betonte in seinem Vortrag, dass der Rückgang der Verkaufsflächen in Österreich von 1,67m²/EW, was europaweit die Spitze ist, noch zunehmen wird. Es bedarf daher klarer digitaler Konzepte von Städten und jedes einzelnen Unternehmens. 2 von 3 Käufen sind digital beeinflusst und mehr als 90% der Österreicher haben schon bei Amazon eingekauft. Dabei steht an erster Stelle der Einkaufskomfort (Convinience) und nicht an Preis. Der Beratungsdiebstahl wird überbewertet, denn die Kunden informieren sich meist zuerst im Netz. Der Erfolgsfaktor ist der Multichannel-Ansatz, die Verknüpfung verschiedener Kanäle, die man zum Kunden aufbauen kann.

Architekt Martin Huber (Huber Gestalten) ging auf die vielfältigen kreativen Möglichkeiten ein, den stationären und digitalen Raum erlebnisreich zu gestalten und zu verknüpfen. Aus seinen Arbeiten mit Studierenden bestätigte er das „analoge“ Bedürfnis der Jugend, sich am Ende eines Shoppingerlebnisses wieder gemütlich zusammenzusetzen.

Bernd Pfeifer Mitgründer der Onlineagentur „limesoda“ verriet amüsant und kompetent, wie sich auch kleine Unternehmen im Kampf gegen die Giganten rüsten können. Dazu wäre es notwendig, Geschichten zu erzählen, die Emotionen schaffen und nachhaltig im Gedächtnis bleiben, mit dem Kunden auch online zu reden, ohne zu nerven, Aktualität und Regionalität zu zeigen, wendig zu sein und auch gemeinsam zu agieren. Empfehlenswert ist auch die übermächtige Konkurrenz zu beobachten und deren Kampagnen als Vorbild zu nutzen, auf Bewertungen zu achten und mitunter Gewagtes zu riskieren.

Der Blick in die Praxis der Kommunen zeigte schon erste Herangehensweisen an die digitale Einkaufstadt. Plattformen wie z.B. „Die Auslage Bruck/ Leitha“, kreiert von Roman Neubauer und „Wo sonst – Neunkirchen“ der Firma WOMAC sind in erster Linie an die lokale n Kunden gerichtet. Sie wollen aufzeigen, welches Angebot es vor der Haustüre gibt. In Tulln folgten vor zwei Jahren nur wenige Unternehmen der Digitalisierungsinitiatve der Stadt. Längst spüren diese wenigen wie Goldschmied Markus Urban aber schon den Nutzen der digitalen Verkaufsunterstützung. Mit dem Relaunch der Stadthomepage steht nun allerdings, wie in vielen anderen Städten, allen Unternehmen eine Plattform zum Selbsteintrag zur Verfügung. Das Beispiel Tulln überzeugt jedoch mit Erfolgsumsatzzahlen im Einzelhandel und Spitzenwerten in der Kaufkraftbindung. Vzbgm. Harald Schinnerl und Standortmanagerin Karin Rinderhofer führen dies auf die Investitionen in das Einkaufserlebnis im Zentrum durch Ambiente , Events und klare Positionierungen wie z.B. Garten, Kunst und Donau zurück. Die Entscheidung vor 10 Jahren ein Einkaufszentrum in die Stadtmitte zu setzen und mit der Managerin der Rosenarcade Tulln Katharina Gfrerer eng zusammen zu arbeiten, trägt ebenfalls zum finanziellen Erfolg aller in der Stadt bei.

Ein Beispiel wie den großen Online-Giganten lokal noch wendig begegnet werden kann, zeigte Wolfgang Primisser, Obmann der Kaufmannschaft aus Wien 8 mit dem Pilotversuch einer E-Lastenrad Zustellung der Post für Waren über 10 kg. Obwohl zahlenmäßig noch nicht so gut genützt, beflügelt der große Wiederhall der Kunden an einer schnellen, emissionsfreien lokalen Lieferservice kombiniert mit sicherer Hinterlegungsmöglichkeit weiter zu arbeiten.

Abschließend waren die TeilnehmerInnen eingeladen an 5 Thementischen zusammen mit den Experten, die notwendigen ersten Schritte zur digitalen Fitness auf Betriebsebene, die geeigneten Formen zur Angebotspräsentation, smarte Logistik, die passenden sozialen Medien-Kanäle und die Anziehungsfaktoren für die Kundenfrequenz in der Innenstadt im digitalen Zeitalter zu diskutieren. Die simultane Abfrage des Publikums lieferte abschließend digitale Echtzeit-Ergebnisse der Diskussionen direkt an den Präsentationsschirm.

Im Schlusswort wiesen Geschäftsführer Walter Kirchler und Projektleiterin Monika Heindl auf die Unterstützungsmöglichkeiten durch die NÖ.Regional.GmbH, auf die Möglichkeit der NÖ Stadterneuerung und Zentrumsentwicklung, auf Förderaktionen wie NAFES oder Ideenwettbewerb hin. Das NÖ.Regional – „Netzwerk Digitalisierung“ wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen und Angebote bereitstellen.





Ansprechperson
Mag.a Monika Heindl

3100 St. Pölten
Josefstraße 46a/5
+43 2742 71800 40
Mail
NÖ.Regional.GmbH
Josefstraße 46a/5 (Eingang Kranzbichlerstraße 24)
3100 St. Pölten